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ALTES LICHT


Aus dem Erzählband:
Ein Vogel in der Hand der Anderen ©Jana Irde 2009


"Lass uns ein wenig in die Sterne schauen", sagte er und drängte sie auf die Terrasse.

Ihre Mutter sah fern, ihr Gesicht schien blau zu funkeln. Er drückte das Mädchen gegen die Hauswand, dort wo die Mutter sie nicht sehen konnte und küsste sie. Seine Hand schob sich unter ihre Bluse, presste auf die sprießenden Brüste, die sie so hasste.

"Komm!", sagte er und zog sie hinter die Johannesbeerbüsche. Er drückte sie auf den Boden, zog ihren Rock hoch. Schon lange machte er sich nicht mehr die Mühe, ihren Slip runterzuziehen, er schob ihn bei Seite. Jetzt schnell weg, dachte sie und versuchte sich in ihrem Kopf zu verstecken. Morgen muss sie in der Schule John Mainard aufsagen. Zweimal setzte der Penis an, dann war er drin. Noch fünf Minuten bis Buffalow. Zweimal ging sie John Mainard durch. Beim drittenmal dachte sie über Pausen und Betonungen nach. Der Penis wurde und wurde nicht fertig. Sie begann zu zählen. Wenn er Alkohol getrunken hatte, kam sie manchmal bis dreihundert. Bei 63 lösten sich seine Lippen von ihren. Seine Hand an ihrem Hals drückte fester, ihr wurde schwindelig. 64, 65 und er war fertig, sank auf ihr zusammen. Sie sah in den Sternenhimmel.

"War doch schön.", sagte er fast fragend. Sie schwieg. Warum fand sie es nicht schön? Sie liebte ihn doch. Er liebte sie auch, mehr als ihre Mutter, hatte er gesagt. Er stand auf und ging ins Haus, zu seiner Frau, zu ihrem Krimi. Sie blieb liegen. Was soll an den Sternen so romantisch sein? In der Schule hatte sie gelernt, das sei alles nur altes Licht. Sie hatte ihrer Mutter gesagt, dass sie ungern mit ihrem Vater alleine sei. Es hatte sie viel Überwindung gekostet. Ihre Mutter meinte, es wäre normal in der Pubertät, sie solle sich nicht so haben, sie solle lernen, ohne sie klar zu kommen. Das tat sie doch, in der Schule und beim Klavierunterricht.

Sie hatte seit drei Monaten keine Regelblutung mehr. Ihre Mutter meinte, das wäre in ihrem Alter normal, da käme viel durcheinander. Hoffentlich wird es ein Mädchen, dachte sie. Vielleicht wird es hübsch und gefällt ihrem Vater.